SIE – Im See von Nicaragua schwimmen H-a-i-e!

SIE war sich sicher, das letzte BILD dieser Familie zu schießen. Wie irritierend, dass die Selbstmord-Franzosen den See überlebt haben - gut, sie hatten auch ein Kanu

SIE war sich sicher, das letzte Bild dieser Familie zu schießen. Wie irritierend, dass die Selbstmord-Franzosen den See überlebt haben – gut, sie hatten auch ein Kanu

IHRE Frage ist harmlos, SEINE Antwort haarsträubend. Klassiker.

Dialog mit Blick auf den Nicaragua-See, wir sind gerade angekommen im süßen Dorf Mérida auf der Insel Ometepe. Es ist eine Bullenhitze, das Wasser lacht mich an.

Ich: „Guck mal, die Frauen auf den Steinen, die waschen den ganzen Tag. Meinst Du, der See ist sauber?“

ER: „Ich guck mal.“ Taucht mit Tablett ins Internet ab.

Meine Augen ruhen weiter auf den seichten Wellen und dem in der Sonne glitzernden Horizont.

ER: „Also laut Wikipedia wurden im Jahre 1981 täglich 32 Tonnen ungefilterte Fäkalien reingeleitet. Aber …“

Ich ziehe die Augenbraunen hoch: „Aber?“

ER liest laut vor: „Es gibt hier Bull-Sharks.“

Ich panisch: „WAS? Haie in diesem See? Im Süßwasser? Da gehe ich nie rein!“

ER gibt mir das Tablett mit geöffneter Wikipedia-Seite.

Satzfetzen geben mir den Rest: … Forscherrätsel … ; … angepasst ans Süßwasser … ; … wandern wie Lachse über den Rio San Juan aus dem Atlantik … ; … aggressivsten ihrer Art …

Fassungslos starre ich aufs Wasser.

Hätte ich vielleicht lieber offline bleiben sollen? Dann wäre ich da nichtsahnend reingelatscht, wäre rausgeschwommen, hätte IHM zugerufen: „Herrlich kalt, komm doch auch rein!“ oder sowas. Hätte mich etwas am Bein gestreift, hätte ich an einen harmlosen Karpfen gedacht. Die, die immer so niedlich am Finger lutschen, wenn man die Hand ins Wasser hält. Hätte mich das Monster dann angestupst, wie es diese Haie machen, bevor sie zubeißen, wäre ich dann wohl doch etwas irritiert gewesen. Mit Glück hätte ich mich dann ohne Bein oder Arm ans Ufer retten können.

Für saubere Wäsche das Leben riskieren. Die Einheimischen schrubben den ganzen Tag

Für saubere Wäsche das Leben riskieren. Die Einheimischen schrubben den ganzen Tag

Schon klar, ich bin ein Medienopfer. Ein Opfer meiner Fantasie. Aber ich kann nichts dagegen tun. Selbst als ein Einheimischer sagt, er hätte hier noch nie einen gesehen, ist das nur dumpfes Gebrabbel, das meine Ohren als Störgeräusch abhaken.

Auch meine Augen bleiben unbeeindruckt, als sie lesen, was bei Google steht. „2014 gab es weltweit insgesamt 72 Haiangriffe auf Menschen, davon nur drei tödlich.“ Beruhigend, werden jetzt Statistik-Liebhaber wie ER sagen. Aber mit mir sprechen diese Zahlen nicht. Dann haben also 69 überlebt, mit einem Arm oder einem Bein weniger.

Meine Eltern kommen in zwei Wochen zu uns nach Costa Rica, da will ich am Flughafen winken können, verdammt!

Schön zum Gucken, aber gebadet wird hier nicht, ist das Credo meiner fünf Sinne

Aber meine Fantasie lässt nicht locker. Als ich abends im Bett liege, höre ich die Wellen. Ich wälze mich hin und her, kann nicht einschlafen. Die Augen zu schließen hilft auch nicht, also gucke ich in die Nacht und erschrecke!

Da ist ja ein… !

Direkt vor meinem Fenster aus Fliegengitter steht ein Hai senkrecht vor mir. Seine Schwanzflosse balanciert in der Luft, den Kopf hat er in den Sand gesteckt. Machen die an Land vielleicht so, denke ich noch.

Es dauert einige Sekunden, bis ich begreife, dass das der Schatten der zusammengeknoteten Gardine im Mondlicht ist.

 

 

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  1 comment for “SIE – Im See von Nicaragua schwimmen H-a-i-e!

  1. friedrich
    1. März 2015 at 16:44

    TTT! Super spannend! Bleib lieber draußen. Im Süßwasser ist die Infektionsgefahr viel größer.
    Du möchtest deine Eltern ja auch nicht als Streuselkuchen begrüßen.

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